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Bisherige Smart Home-Modelle funktionieren nicht

In der aktuellen Ausgabe des ew Magazins stellen wir den im Projekt SmartLive entwickelten Smart Home Shop & Play Ansatz vor und zeigen auf, wie vor allem Stadtwerke und Energiedienstleister sich diesen Ansatz nutzbar machen können.

In Zeiten rückläufiger Margen im klassischen Strom- und Gasvertrieb ist der Ausbau innovativer Geschäftsfelder für Stadtwerke als kommunale Wirtschaftstreiber essenziell, um ihr Angebot gegenüber Letztverbrauchern zu erweitern. Auf der Suche nach neuen Produkten hat in den vergangenen Jahren das Interesse am Geschäftsfeld Smart Home und der damit einhergehenden Entwicklung von Smart Home Lösungen deutlich zugenommen. Zahlreiche Hürden und Herausforderungen sind allerdings der Grund, warum aktuell am Markt erhältliche Lösungen nicht so erfolgreich sind, wie es sich die Anbieter wünschen. Smart Home Shop & Play stellt einen neuen Ansatz vor, der den Einstieg in den Smart Home Markt erleichtern soll.

Der gesamte Artikel steht als Download zur Verfügung.

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Nutzer-Workshop zu Informationsbedarfen im Alltag

Jeder kennt es und mindestens jeder von uns hat deshalb schon einmal geflucht. Mal eben zwischen dem Musik-Player auf dem Smartphone und dem Fahrplan hin und her switchen während man morgens noch schnell seinen Kaffee trinkt, kann manchmal störend sein. Bestimmte Informationen scheinen auf den ersten Blick nicht zusammen zu gehören, aber wenn es so wäre, könnten wir uns über den Tag hinweg ein paar Interaktionswege am Smartphone sparen und hätten alles für uns Wichtige auf einen Blick.

Um herauszufinden, was für jeden Einzelnen interessante Informationen sind und wie diese aufbereitet sein müssten, haben wir uns am 22. November in einem Kreativ-Workshop gemeinsam mit unseren Siegener Living Lab-Haushalten zusammen gesetzt und Ideen für ein alltasgübergreifendes Dashboard gesammelt. Nach 2,5 Stunden Workshop ist allerlei buntes entstanden. Dabei waren neben aktuellen Nachrichten, Informationen über gemeinsame Termine, Todo-Listen und Erinnerungen auch Wünsche nach der aktuellen Verkehrslage auf dem Arbeits- bzw. Nachhauseweg, der günstigsten Tankstelle in der Nähe, der Blick in sein intelligentes Zuhause mit Möglichkeiten der schnellen Steuerung oder der Status der zu erwartenden Paketbestellung von besonderem Interesse. Einer unserer Haushalte betonte nochmal die Wichtigkeit, dass ein persönliches Dashboard nicht nur individuelle Informationen in Form von Widgets bietet, sondern er diese auch in der Größe und Art individuelle anpassen möchte. So könne man Highlights setzen und trotzdem Informationen unterbringen, die interessant sind, aber eine geringere Priorität haben.

Die Ergebnisse fließen aktuell in die weitere Entwicklung von open.DASH ein, der von uns entwickelten Visualisierungsplattform für smarte Daten.

 

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Workshop zum kreativen Dashboard-Design

Im Rahmen des World Usability Days an der Universität Siegen haben wir uns mit individualisierten Dashboards auseinander gesetzt. Unter dem Motto „Find the cat in your data! Gestalte dein persönliches Dashboard haben zahlreiche Workshop-TeilnehmerInnen in Kleingruppen ihre persönliche Oberfläche mit relevanten Informationen gestaltet. Mithilfe der Persona „Jürgen“ wurde ein Tagesablauf inszeniert, dessen Daten in ein Dashboard eingebunden wurden. Angeregt durch Jürgen durften die TeilnehmerInnen mit Zetteln, Stiften, Papier, Schere und Kleber ihre eigenen Visualisierungen gestalten. Verschiedene und vor allem interessante Dashboards waren nach 60 Minuten konzentriertem Arbeiten das Endergebnis.

Eine spannende Aufgabe mit spannenden und vielfältigen Ergebnissen: Die eine Gruppe identifiziert typische Smart Home Daten wie Energie, Sicherheit oder Anwesenheitsinformationen als besonders wichtig, andere stellen Fitness- und Ernährungsdaten in den Vordergrund. Andere Ideen waren beispielsweise eine Stressübersicht, die als Indikator für zu viel Arbeit oder zu viele Termine dient. Erinnerungen an Geburtstage, Menüpläne von Restaurants in der Nähe, Nachrichten aus sozialen Medien oder schlicht eine Wetterübersicht – jedes gestaltete Dashboard zeigte unterschiedliche Anforderungen und Bedarfe auf. Innerhalb kurzer Zeit sind so tolle, neue Ideen für eine individualisierte Oberfläche entstanden, die wir in Zukunft weiter im Rahmen unseres open.DASH-Prototypen erforschen und entwickeln wollen.

Die Besucher des World Usability Days in Siegen hatten außerdem wieder die Möglichkeit, unseren Showroom zu besichtigen, in dem verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Smart Home Komponenten zum Anfassen aufgebaut sind.

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„Get smart – Die Zukunft im Smart Home Markt“ war das Motto unserer Fachtagung für Unternehmen am 2. November 2016 am Uni-Campus Unteres Schloss in Siegen. Knapp über 50 TeilnehmerInnen folgten der Einladung und erhielten in insgesamt elf Vorträgen einen breiten Einblick in das Themenfeld. Es wurde über Bedarfe, Modelle, den aktuellen Markt und neue Ansätze diskutiert. Nach der Begrüßung durch Corinna Ogonowski von der Uni Siegen führte Stefan Schulze Sturm von der ASEW in das Thema „Der Smart Home Markt aus Angebots- und Nachfragersicht“ ein. Zwar ist Smart Home noch nicht für alle Haushalte ein klares Konzept, doch bis zu 70% der Befragten hatten Interesse an Smart Home Lösungen – sowohl als Hauseigentümer als auch in der Mieterrolle. Bei Smart Home Produkten liegt der Schwerpunkt bisher besonders auf Energie und Komfort, auch Sicherheit nimmt einen großen Stellenwert bei den angebotenen Komponenten ein. Die Bedürfnisse Unterhaltung und Gesundheit sind im heutigen Markt noch wenig repräsentiert.

Smart Home aus Anbietersicht

Nach der Einführung nutzten vier Hersteller die Chance, ihr jeweiliges System zu präsentieren. Den Anfang machte dabei Ralf Tschiersch von der devolo AG, die sich als Full-Service-Provider für Smart Home Business-Modelle, aber auch für Privatpersonen versteht.

Kai Wacholder von der Städtischen Werk AG Kassel stellte ein eigenes System vor, unter dem Motto „Das Smarthome System der STW-AG – weil einfach einfach einfach ist“. Bei diesem Konzept liegt der Fokus auf einer günstigen Lösung insbesondere für Mieter. Ein wiederum völlig anderes Konzept stellte Robert Brunner von der casenio AG vor: Smart Home für die alternde Gesellschaft. Dieses Modell richtet sich vor allem an Angehörige und Pflegeeinrichtungen, die die betreffenden Personen möglichst lange autonom ihren Alltag erledigen lassen möchten.

Allerdings sind auch technische Daten und die Vernetzung des Smart Homes ein wichtiger Faktor für das Gelingen von Smart Home. Zu diesem Thema stellte Kai Hackbarth (BOSCH Software Innovations) das dynamische Java-Modulsystem OSGi vor, deren Ziel es ist, das Vernetzen verschiedener Systeme einfacher zu machen. OSGi soll als Gateway-Plattform eine Art Universalsprache für Geräte fungieren. Es funktioniert über das „publish-find-bind“-Prinzip und kann so Korrelationen zwischen Komponenten überwachen.

Smart Home aus Nutzersicht

Nach den spannenden Vorträgen der Hersteller ging es nach der Mittagspause um das Smart Home Erlebnis aus Nutzersicht. Welche Use-Cases gibt es überhaupt? Was ist Smart Home und wie wird das Zuhause intelligent? Diese Fragen klärte Richard Bretschneider, eResult GmbH. Außerdem referierte Corinna Ogonowski von der Universität Siegen gemeinsam mit einem Teilnehmer der Living Lab-Testhaushalte, Martin Heuckmann. Sie klärten zum Beispiel: Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Zuhause smart wird? Wo sind Verbesserungspotentiale? Welche Erwartungen habe ich als Endnutzer an mein Smart Home? Was passiert, wenn verschiedene smarte Systeme miteinander verknüpft werden?

Smart Home weitergedacht: Neue Ansätze und Konzepte

Natürlich wurde auch die Zukunft diskutiert: Denkt man Smart Home weiter, wie könnte eine weiterführende Lösung aussehen? Philippe Hennes von the peak lab. stellte den Shop&Play-Ansatz als neue Smart-Home Evolution vor. Hier steht die Nutzung und individuelle Zusammensetzung für jeden Nutzer im Fokus, denn das Pairing und Konfigurieren von Produkten soll dem Endnutzer abgenommen werden. Er kann stattdessen online seine Bedürfnisse angeben und bekommt Vorschläge zu passenden Produkten, die er dann bestellen kann. Nach dem Online-Kauf werden die Komponenten bereits gekoppelt, bevor sie beim Endnutzer ankommen. Für ihn kann nach der Lieferung und dem Anschließen der Geräte das Smart Home-Erlebnis direkt starten.

Und weil jeder sein Smart Home am liebsten anders gestalten und anders gewichten will, stellt sich auch hier eine neue Herausforderung. Nico Castelli (Universität Siegen) und Martin Stein (Fraunhofer FIT) beschrieben und demonstrierten unter anderem das open.DASH – einen Dashboard-Ansatz, in dem die Daten der Geräte ausgewertet und nutzerfreundlich und vor allem individuell visualisiert werden. Bei Alexander Hoffmanns (statmath GmbH) Vortrag standen smarte Algorithmen und die Analyse von Nutzerverhalten im Vordergrund: Was kann ein System von Nutzungsdaten lernen? Das stellte Alexander Hoffmann anhand unserer Nutzungsdaten aus Siegen vor. Eine grüne Steuerbox ist die Zukunft – Anil Mengi von der devolo AG stellte eine intelligente Steuerbox als Kommunikationsschnittstelle zwischen Smart Home und Smart Grid vor. Dabei ging es auch um die Auswirkungen, die ein intelligentes Messsystem auf das Zuhause haben kann.

 

Die Teilnehmer hatten natürlich auch die Chance, unsere beiden Showrooms zu besichtigen. Der eine ist als Wohnzimmer ausgestattet und demonstriert Use Cases wie beispielsweise unterschiedliche Lichtstimmungen. Dort sind Komponenten verschiedener Hersteller verbaut und die Geräte können angefasst und ausprobiert werden. Der zweite Showroom demonstriert das casenio-Smart Home für die alternde Gesellschaft. Unsere Seminarteilnehmer konnten Produkte wie das Blutdruckmessgerät in Aktion sehen und unterschiedliche Use Cases selbst erleben. Wir nehmen viele neue Ideen, Anregungen und spannende Diskussionen aus der Tagung „Get smart“ mit und bedanken uns für die tolle Zusammenarbeit.


(Fotos: Margarita Esau, Universität Siegen)

„Get smart – Die Zukunft im Smart Home Markt“
Fachseminar für Unternehmen im Smart Home Markt

Am 2. November findet an der Universität Siegen eine Veranstaltung rund um das Thema Smart Home statt, die sich speziell an kleine und mittlere Unternehmen richtet. Aktuell bieten Smart Home Systeme eine große Vielfalt an Möglichkeiten, unterschiedlichste Bedürfnisse des Alltags zu befriedigen. Nutzer stehen damit vor der Herausforderung, das passende System für die eigenen Anforderungen zu finden. Der deutsche Smart Home Markt wird vor allem durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt. Auch sie stehen vor der Herausforderung, den bestmöglichen Funkstandard auszuwählen und entsprechende Systemlösungen zu entwickeln, die die individuellen Bedürfnisse der Nutzer adressieren.

Unser Fachseminar nimmt Smart Home Systeme aus Angebots- wie Nachfragesicht in den Fokus und zeigt, wie Smart Home aktuell tatsächlich eingesetzt wird und wie es attraktiver gestaltet werden kann. In den Fachvorträgen geben Experten aus Wirtschaft und Forschung einen Überblick über den Smart Home Markt. Dabei werden nicht nur aktuelle Systemlösungen präsentiert, sondern auch zukünftige Konzepte und Ansätze vorgestellt und diskutiert. Außerdem besteht die Möglichkeit, Smart Home im Rahmen einer Führung durch den Showroom der Universität Siegen selbst zu erleben.

Die Veranstaltung richtet sich an Verantwortliche aus den Bereichen Energie- und Wohnungswirtschaft, Architektur, Versicherungen, Pflege, Gebäudeautomatisierung, Smart Home Hardwarehersteller, Softwareanbieter, Smart Home Startups und Usability/UX-Dienstleister. Interessierte können sich auf der Veranstaltungsseite verbindlich anmelden. Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier .

Veranstaltung:
2. November 2016
10.30-17.00 Uhr
Universität Siegen, Campus Unteres Schloss
Raum US-F 103
Kohlbettstr. 15, 57072 Siegen

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