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SmartLive: Nachhaltige Innovationsentwicklung im Living Lab für Smart Home/Smart Energy

Zur Qualitätssicherung im Hinblick auf Gebrauchstauglichkeit und Nutzbarkeit von Hard- und Software stellt die Usability Norm DIN EN 9241 einen wichtigen Eckpfeiler für Produktentwicklungen dar. Für den Bereich des Smart Home/Smart Energy hat die deutsche Smart Energy Roadmap (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE 2010) jedoch festgestellt, dass im stark wachsenden Markt des Smart Home/Smart Energy der Mangel an Usability ein akutes Problem für breite Akzeptanz der neuen Technologien darstellt. Auf der einen Seite liegt das an der Vielfalt der in der Entwicklung des Ökosystems des intelligenten Zuhauses beteiligten Unternehmen, die aufgrund der niedrigen Eintrittsschwelle häufig eigene Lösungen anbieten, ohne ein integriertes Qualitätsmanagement zu besitzen. Auf der anderen Seite fehlen für den Bereich bisher noch ausgearbeitete und einheitliche Konzepte von Usability. Zur Förderung der Kompetenz von KMUs zur Entwicklung von gebrauchstauglichen und alltagsgerechten Lösungen soll im Projekt die nutzerzentrierte Innovationsmethodik des Living Lab as a Service entwickelt und die KMU-Tauglichkeit des neuen Ansatzes praktisch erprobt werden. Da KMU meist keine eigene Usability-Abteilung zur Spezifizierung eigener Design-Guidelines besitzen, sollen ergänzend allgemeine Ergonomie Richtlinien für Smart Home/Smart Energy entwickelt werden. Die entwickelten Usability Maßnahmen sollen bei konkreten Problemstellungen zur Gestaltung intuitiv bedienbarer Smart Home Lösungen in Form von Pilotmaßnahmen angewandt werden. Hierdurch soll die Praxistauglichkeit der Usability Maßnahmen sichergestellt werden.
Zugleich dienen die umgesetzten Prototypen als Showcases für eine gelungene Usability und User Experience künftiger Smart Home Lebenswelten. Durch die abgestimmten Maßnahmen KMU tauglicher Innovationsmethodik, Ergonomie Richtlinien zur einfachen Nutzung durch KMU und die von KMU entwickelten Showcases sollen innovative Usability-Pilotmaßnahmen in der Spitze mit der allgemeinen Verankerung des Themas Usability in der Breite erzielt werden.

Vorgehen

Der Ansatz der Living Labs hat sich bislang im Bereich akademischer Forschung sowohl als Methode als auch Infrastruktur erfolgreich etabliert, um frühzeitig potenzielle Nutzer in Entwicklungs- und Gestaltungsschritte als auch Evaluationen im tatsächlichen Anwendungskontext zu involvieren. In diesem Zusammenhang lassen sich Fragen der Usability und User Experience adäquat adressieren. Ein Defizit besteht allerdings in der Übertragbarkeit dieses Ansatzes auf KMU und deren Arbeitsprozesse, weil es komplexe und aufwändige Organisations- und Verwaltungsprozesse erfordert, die KMU meist nicht leisten können.
Zur Behebung der momentanen Nutzungsbeschränkung von Living Labs soll im Projekt SmartLive der neue Ansatz des Living Lab as a Service als eine an die spezifischen Bedarfe von KMUs angepasste Innovationsmethodik entwickelt werden. Ziel ist es, dass durch den Ansatz insbesondere Usability Agenturen in die Lage versetzt werden, Living Labs zu betreiben und diese als Dienstleistung an KMUs zu vermarkten. Dadurch soll es KMUs ermöglicht werden, Nutzer flexibel und kostengünstig als Co-Designer und Co- Innovatoren in den Entwicklungsprozess zu integrieren und Prototypen frühzeitig auf ihre Praxistauglichkeit hin zu evaluieren.

Um die Praxistauglichkeit sicherzustellen soll der Ansatz im Rahmen einer Aktionsforschung (Baskerville 1999) entwickelt werden, bei dem Living Labs als neue Innovationsdienstleistung praktisch erprobt werden. Hierbei soll vor allem die individuelle Modularisierung sowie flexible Gestaltung und Umsetzung des Ansatzes selbst genutzt werden, um passgenaue Dienstleistungsangebote zu generieren und unterstützende Maßnahmen im Gestaltungsprozesse in KMUs zu integrieren. Dafür erforderliche Methoden- Bausteine und Prozess-Module können stufenweise oder auch nur punktuell in die Praktiken von KMUs integriert werden. Entsprechend können verschiedene Teile, wie z.B. Workshops zur Ideengeneration, partizipative Designworkshops, Usability-Tests im tatsächlichen Nutzungskontext etc. ausgelöst und getrennt günstig angeboten werden, was einen leichten Einstieg für Kunden aus KMU zulässt.
Mittels dieses Vorgehens zielt das Projekt zudem darauf ab, die zweite Barriere zur Entwicklung alltagsrelevanter Anwendungen für Smart Home/Smart Energy zu beseitigen. Im Rahmen der Entwicklung und Erprobung der Smart Home Lösungen in Living Labs werden allgemeine Richtlinien zur ergonomischen Gestaltung für diese Domäne entwickelt, bei der die Usability-Kriterien der EN ISO 9241 adaptiert und neure Ansätze aus dem Sustainable Interaction Design (SID) aufgegriffen werden. Somit werden im Projekt günstige Rahmenbedingungen zur Entwicklung von Showcases für eine gelungene User Experience und Usability künftiger Smart Energy/Smart Home Lebenswirklichkeiten geschaffen. Diese Showcases sind nicht nur wichtig um die allgemein definierten Richtlinien zu illustrieren, sondern auch um in der Domäne KMUs für das Thema Usability zu sensibilisieren (vgl. auch Scheiber u. a. 2012; Woywode u. a. 2012).

Insgesamt zielt das Projekt damit auf Innovationen in den folgenden Bereichen:

arrow Living Lab as Service: Entwicklung einer Innovationsmethodik mit flexibler Modularisierung und Gestaltung für KMU zur Erfassung und Gestaltung künftiger Lebenswirklichkeiten.

arrow Ergonomie Richtlinien: Spezifikation von Usability und User Experience Guidelines für die Domäne Smart Home/Smart Energy.

arrow Showcases: Entwicklung von Demonstratoren im Living Lab, die als in den Lebensalltag eingebettete Showcases die künftige User Experience von Smart Home im Alltag erlebbar machen.

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